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Wie es ist, jemand zu sein

varun gaba TYVDhM6guHA unsplash

Was heißt überhaupt Bewusstsein?

Augustinus hat über die Zeit einen Satz geschrieben, der ebenso gut auf das Bewusstsein passt: Solange ihn niemand danach frage, wisse er, was sie sei. Solle er es aber jemandem erklären, wisse er es nicht. Mit dem Bewusstsein verhält es sich ähnlich, nur radikaler. Wir kennen nichts so unmittelbar wie unser eigenes Erleben. Und doch gerät jeder Versuch, es zu bestimmen, ins Rutschen, sobald man genauer hinsieht.

Das liegt nicht an mangelndem Scharfsinn. Es liegt daran, dass „Bewusstsein“ kein einzelnes Ding bezeichnet, sondern ein ganzes Bündel von Leistungen, die im Alltag zusammenwirken und darum wie eines erscheinen. Wer über Bewusstsein spricht, gleicht deshalb leicht den Blinden aus dem alten Gleichnis, die einen Elefanten betasten. Der eine hält den Rüssel für eine Schlange, der andere das Bein für einen Baumstamm, der dritte das Ohr für einen Fächer. Jeder hat etwas Wirkliches ertastet, und jeder irrt, sobald er seinen Ausschnitt für das Ganze nimmt.

Dieser Artikel versucht deshalb nicht, den Elefanten zu beschreiben. Er fragt zunächst, welche Teile es gibt und welche Hände nach ihnen tasten.

I. Ein Wort für vieles

Wer sagt, jemand sei „bei Bewusstsein“, meint etwas anderes als jemand, der sagt, ihm sei etwas „bewusst geworden“. Und beides ist noch einmal verschieden von der Rede, jemand trete „selbstbewusst“ auf. Die Alltagssprache verrät bereits, was die Philosophie mühsam auseinanderlegen muss. Mindestens drei Bedeutungsebenen lassen sich unterscheiden.

Bewusstsein als Wachheit. Ein Organismus ist wach und ansprechbar, nicht bewusstlos, nicht narkotisiert, nicht im Tiefschlaf. Das ist der medizinische Sinn des Wortes. Er beschreibt einen Zustand des Gesamtsystems, noch nicht, was in diesem Zustand erlebt wird.

Bewusstsein als Erleben. Es gibt etwas, wie es sich anfühlt, in einem bestimmten Zustand zu sein. Ein Schmerz ist nicht bloß die Weiterleitung eines Nervensignals, er tut weh. Das Rot einer Kirsche ist nicht nur eine Wellenlänge, es erscheint als dieses Rot. Die Philosophie spricht hier von phänomenalem Bewusstsein. Es ist die Innenseite des Geschehens.

Bewusstsein als Selbstbewusstsein. Das Erleben ist auf ein Ich bezogen. Nicht nur: Da ist Schmerz. Sondern: Ich habe Schmerzen, mein Knie tut weh, mir widerfährt das.

Diese drei Ebenen hängen zusammen, fallen aber nicht zusammen. Der Träumende erlebt oft intensiv, ist aber im medizinischen Sinn nicht wach. Ein Säugling erlebt vermutlich Schmerz und Nähe, lange bevor er sich als Ich begreift. Und in manchen meditativen Zuständen berichten Menschen von großer Wachheit, in der das Ich-Gefühl weitgehend verschwunden ist. Schon diese Beispiele zeigen: Wer „Bewusstsein“ sagt, muss dazusagen, welche Ebene er meint. Sonst streitet man über den Elefanten und meint in Wahrheit verschiedene Körperteile.

Neben diesen drei Ebenen, mit denen die Philosophie gewöhnlich arbeitet, kennt die Alltagssprache eine vierte, die in den Fachdebatten erstaunlich selten vorkommt: Bewusstsein als Haltung. Wer von Verantwortungsbewusstsein, Geschichtsbewusstsein oder Unrechtsbewusstsein spricht, meint weder Wachheit noch bloßes Erleben noch Selbstbezug, sondern eine dauerhafte Sensitivität, die bestimmt, was einem Menschen überhaupt auffällt. Dass das Wort diesen weiten Hof hat, ist kein Zufall. Das deutsche „Bewusstsein“ wurde erst um 1720 von Christian Wolff als Übersetzung des lateinischen conscientia geprägt, und conscientia bedeutete lange vor allem: Gewissen. Diese vierte Ebene verdient eine eigene Untersuchung.

II. Das Ich der Philosophen

Die abendländische Philosophie hat sich dem Bewusstsein lange über das Ich genähert. Das war naheliegend, denn das Ich scheint der Ort zu sein, an dem alles Erleben zusammenläuft. Doch gerade die Antworten auf die Frage, was dieses Ich sei, gehen weit auseinander.

Descartes suchte im 17. Jahrhundert einen Punkt, an dem kein Zweifel mehr möglich ist. Er fand ihn im Zweifeln selbst: Wer zweifelt, denkt, und wer denkt, existiert. Cogito, ergo sum. Das Bewusstsein wird hier zur ersten Gewissheit, zum festen Grund, von dem aus alles andere erst gesichert werden muss. Das Ich erscheint als denkende Substanz, getrennt von der ausgedehnten Welt der Körper. Mit dieser Trennung hat Descartes der Philosophie ein Problem vererbt, das bis heute nicht gelöst ist: Wie hängen Geist und Körper zusammen?

John Locke verschob die Frage. Ihn interessierte weniger, was das Ich ist, als was es über die Zeit hinweg zusammenhält. Seine Antwort: das Bewusstsein, das sich auf vergangene Handlungen und Erlebnisse zurückerstrecken kann. Ich bin dieselbe Person wie gestern, weil ich mich an das Gestern als mein Gestern erinnern kann. Damit rückt ein Motiv in den Blick, das bis heute nachwirkt: Das Ich ist ohne Gedächtnis kaum zu denken.

David Hume sah genauer hin und fand nichts. Wenn er in sich hineinblicke, schrieb er, stoße er immer nur auf einzelne Wahrnehmungen, auf Wärme oder Kälte, Licht oder Schatten, Liebe oder Hass, niemals aber auf ein Ich, das diese Wahrnehmungen hat. Das Selbst sei nichts als ein Bündel wechselnder Perzeptionen. Humes Befund wirkt bis heute provozierend, und er hat in der gegenwärtigen Bewusstseinsforschung überraschende Nachfolger gefunden.

Immanuel Kant antwortete auf Hume, ohne ihm einfach zu widersprechen. Auch Kant bestreitet, dass wir das Ich als Gegenstand wahrnehmen können. Aber er zeigt, dass Erfahrung ohne eine Einheit, die sie verbindet, gar nicht möglich wäre. „Das: Ich denke, muss alle meine Vorstellungen begleiten können.“ Das Ich ist hier kein Ding, das man findet, sondern eine Bedingung dafür, dass überhaupt zusammenhängende Erfahrung entsteht. Es ist nicht Inhalt, sondern Form.

William James beschrieb am Ende des 19. Jahrhunderts, wie sich Bewusstsein von innen anfühlt: nicht als Kette einzelner Glieder, sondern als Strom. Gedanken, Wahrnehmungen und Stimmungen gehen ineinander über, haben Ränder und Übergänge, sind nie ganz scharf voneinander getrennt. Bewusstsein ist ein Prozess, kein Behälter.

Edmund Husserl fügte eine Einsicht hinzu, die für jede weitere Diskussion unverzichtbar ist: Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas. Es richtet sich auf einen Gegenstand, einen Gedanken, ein Gefühl, eine Erinnerung. Husserl nannte diese Gerichtetheit Intentionalität. Ein Bewusstsein ganz ohne Gegenstand wäre für ihn schwer denkbar. Diese These wird zum Prüfstein für jede Behauptung, es könne ein Bewusstsein ganz ohne Inhalt geben.

Martin Heidegger schließlich bezweifelte, dass man beim isolierten Bewusstsein überhaupt anfangen darf. Der Mensch sei nicht zuerst ein Innenraum, der dann nachträglich eine Außenwelt erkennt. Er sei immer schon „in der Welt“, mit Dingen beschäftigt, mit anderen verbunden, in Aufgaben verstrickt. Die distanzierte Selbstbeobachtung ist nicht der Normalfall des Daseins, sondern eine späte, abgeleitete Haltung.

Diese Positionen widersprechen einander in vielem. Gemeinsam markieren sie aber ein Grundproblem, das bis heute offen ist: Was verbindet wechselnde Zustände so, dass sie als Erleben einer Person erscheinen? Descartes antwortet mit Gewissheit, Locke mit Erinnerung, Hume mit Gewohnheit, Kant mit einer notwendigen Einheit, James mit Kontinuität, Husserl mit Gerichtetheit, Heidegger mit Weltbezug. Jeder hat einen Teil des Elefanten in der Hand.

III. Wie es ist, eine Fledermaus zu sein

Im 20. Jahrhundert verlagerte sich die Diskussion. Die Hirnforschung machte rasante Fortschritte, und viele Philosophen erwarteten, dass sich Bewusstsein bald vollständig als Gehirnfunktion beschreiben lassen werde. Gegen diese Erwartung richtete sich 1974 ein kurzer Aufsatz von Thomas Nagel mit dem Titel „Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?“.

Nagels Argument ist einfach und bis heute schwer zu entkräften. Fledermäuse orientieren sich durch Echoortung. Wir können genau beschreiben, wie das physikalisch und neuronal funktioniert. Aber wir wissen dadurch nicht, wie es sich für eine Fledermaus anfühlt, die Welt auf diese Weise wahrzunehmen. Ein Wesen hat bewusste Zustände genau dann, so Nagel, wenn es irgendwie ist, dieses Wesen zu sein. Dieses „Wie-es-ist“ ist nur aus der Innenperspektive zugänglich. Keine noch so vollständige Beschreibung von außen scheint es einzuholen.

Zwanzig Jahre später gab David Chalmers diesem Befund einen Namen, der zum Schlagwort wurde. Er unterschied die „leichten“ Probleme des Bewusstseins von dem „harten“. Leicht, im Sinne von prinzipiell lösbar, sind Fragen wie: Wie unterscheidet das Gehirn Reize? Wie lenkt es Aufmerksamkeit? Wie erzeugt es Sprachberichte über innere Zustände? Das sind Fragen nach Funktionen, und Funktionen lassen sich durch Mechanismen erklären. Das harte Problem lautet dagegen: Warum gehen diese Funktionen überhaupt mit Erleben einher? Warum läuft die Verarbeitung nicht einfach „im Dunkeln“ ab, ohne dass sich irgendetwas irgendwie anfühlt?

Man muss Chalmers nicht in allen Konsequenzen folgen, um die Schärfe der Frage anzuerkennen. Sie markiert eine Grenze, die jede Theorie des Bewusstseins entweder überwinden, umgehen oder für ein Scheinproblem erklären muss. Und sie verschiebt den Schwerpunkt: Nicht das Ich steht jetzt im Zentrum, sondern das Erleben selbst.

IV. Wann wird ein Zustand bewusst?

Die heutige Bewusstseinsforschung arbeitet mit einer Reihe konkurrierender Theorien. Sie lassen sich hier nicht vollständig darstellen, wohl aber in ihrem Grundgedanken. Auffällig ist dabei, dass sie an ganz unterschiedlichen Stellen ansetzen.

Die Theorie des globalen Arbeitsraums (Bernard Baars, später Stanislas Dehaene) versteht das Gehirn als Verbund vieler spezialisierter Prozesse, die größtenteils unbewusst arbeiten. Bewusst wird ein Inhalt, wenn er in einen gemeinsamen „Arbeitsraum“ gelangt und damit für viele Systeme gleichzeitig verfügbar wird: für Gedächtnis, Sprache, Planung, Handlungssteuerung. Bewusstsein ist hier eine Art Rundruf im Gehirn.

Die Theorie der integrierten Information (Giulio Tononi) geht vom Erleben selbst aus. Jede Erfahrung ist einheitlich und zugleich hochdifferenziert: Ich sehe nicht Farbe und Form und Bewegung getrennt, sondern eine Szene. Bewusstsein, so Tononi, entspricht dem Maß, in dem ein System Information als untrennbares Ganzes verarbeitet. Diese Theorie ist ehrgeizig und umstritten, weil sie im Prinzip auch sehr einfachen Systemen ein Minimum an Bewusstsein zuspricht.

Theorien höherer Ordnung (etwa David Rosenthal) setzen beim Selbstbezug an. Ein mentaler Zustand wird bewusst, wenn sich ein weiterer Zustand auf ihn richtet, wenn das System gewissermaßen registriert: Ich habe gerade diesen Zustand. Ohne diese Repräsentation zweiter Stufe, zweiter Ordnung, bliebe der Zustand wirksam, aber unbewusst.

Die Theorie rückgekoppelter Verarbeitung (Victor Lamme) schließlich verortet Bewusstsein früher und lokaler: Sobald Signale in den Wahrnehmungsarealen nicht nur vorwärts laufen, sondern zurückgespiegelt werden und kreisen, entsteht bewusstes Sehen, noch bevor ein Inhalt global verfügbar oder sprachlich berichtbar ist.

Diese Modelle werden oft als Rivalen behandelt, und empirisch sind sie es auch. Ein groß angelegter, gemeinsam geplanter Vergleichstest zwischen der Arbeitsraum-Theorie und der Theorie integrierter Information brachte keine klare Entscheidung. Er stellte zentrale Vorhersagen beider Theorien in Frage. Philosophisch fällt aber etwas anderes auf: Sie beantworten nicht dieselbe Frage.

  • Globale Verfügbarkeit erklärt, wie ein Inhalt nutzbar wird.
  • Integration beschreibt, warum Erleben einheitlich ist.
  • Theorien höherer Ordnung erfassen, wie ein Zustand als eigener bemerkt wird.
  • Rückkopplung betrifft die Dynamik, in der Wahrnehmung entsteht.

Der Philosoph Ned Block hat für einen Teil dieser Verwirrung eine hilfreiche Unterscheidung vorgeschlagen: zwischen Zugangsbewusstsein, bei dem ein Inhalt für Denken und Handeln verfügbar ist, und phänomenalem Bewusstsein, bei dem ein Inhalt erlebt wird. Beides kann auseinanderfallen. Wir nehmen vielleicht mehr wahr, als wir berichten können, und wir verarbeiten vieles, das wir nie erleben.

Damit kehrt Chalmers’ Frage zurück. Selbst eine vollständige Beschreibung dessen, was ein System leistet, scheint noch nicht ohne Weiteres zu erklären, warum sich diese Leistung anfühlt. Jede der vier Theorien beschreibt wichtige Bedingungen des Bewusstseins. Ob eine von ihnen die Innenseite des Erlebens erreicht, bleibt offen.

V. Die gebaute Wirklichkeit

Unabhängig davon, welche Theorie man bevorzugt, hat die Forschung der letzten Jahrzehnte ein Bild erschüttert, das dem Alltagsverstand selbstverständlich erscheint: das Bild des Bewusstseins als Fenster, durch das wir die Welt sehen, wie sie ist.

Schon Hermann von Helmholtz sprach im 19. Jahrhundert von „unbewussten Schlüssen“, die in jede Wahrnehmung eingehen. Die heutige Forschung, prominent vertreten durch Karl Friston und Anil Seth, hat diesen Gedanken radikalisiert. Das Gehirn empfängt nicht passiv Sinnesdaten, die es dann zusammensetzt. Es erzeugt fortlaufend Vorhersagen darüber, was als Nächstes kommen wird, und gleicht sie mit den eintreffenden Signalen ab. Wahrgenommen wird im Wesentlichen die beste Vermutung. Die Sinne liefern vor allem die Korrektur, das Signal: Hier stimmt etwas nicht. Seth hat das zugespitzt: Wahrnehmung sei eine Art kontrollierte Halluzination, kontrolliert eben durch die Welt.

Das gilt nicht nur für die Außenwelt. Auch das Gefühl für den eigenen Körper, für Herzschlag, Atem, Hunger und Anspannung, beruht nach dieser Auffassung auf Vorhersagen. Selbst das Erleben, ein Selbst zu sein, wäre dann nicht unmittelbar gegeben, sondern ein fortlaufend aktualisiertes Modell.

Diese Einsicht wird oft missverstanden, als sei die Welt bloß eine Erfindung unseres Kopfes. Das ist sie nicht. Die Welt setzt unseren Konstruktionen Grenzen. Wer die Treppenstufe falsch vorhersagt, stolpert, und die Folgen unseres Handelns korrigieren unsere Modelle unerbittlich. Aber wir erleben nie eine ungefilterte Wirklichkeit. Was uns unmittelbar erscheint, ist bereits das Ergebnis einer Deutung. Wie viel an unserer Wirklichkeit gefunden und wie viel gemacht ist, wo diese Deutung uns trägt und wo sie sich verselbstständigt, ist darum keine Randfrage. Sie wird uns noch beschäftigen, bis an die Grenze, an der eine Deutung nicht mehr als Deutung erscheint, sondern als die Welt selbst.

Ähnliches gilt für das Denken. Daniel Kahneman hat gezeigt, dass der größte Teil unserer Urteile von schnellen, automatischen Prozessen getragen wird, dem, was er „System 1“ nennt. Sie ermöglichen Orientierung in Sekundenbruchteilen, sind aber anfällig für systematische Verzerrungen. Das langsame, kontrollierte Denken, „System 2“, kann prüfen und korrigieren. Es ist aber anstrengend, träge und oft damit beschäftigt, die Urteile von System 1 nachträglich zu rechtfertigen, statt sie zu überprüfen.

Wie weit diese nachträgliche Rechtfertigung reicht, zeigen die Untersuchungen von Michael Gazzaniga an Patienten, deren Hirnhälften chirurgisch getrennt worden waren. Wenn die eine Hälfte eine Handlung auslöste, von deren Ursache die sprachfähige andere Hälfte nichts wusste, erfand diese prompt eine plausible Begründung und glaubte sie selbst. Gazzaniga sprach von einem „Interpreten“ im Gehirn, der unablässig Geschichten über das eigene Tun erzählt.

Bewusstsein bedeutet demnach nicht, die Ursachen des eigenen Handelns zu überblicken. Es bedeutet eher, eine Deutung dieser Ursachen zu erleben. Welche Kräfte unterhalb dieser Deutung wirken, ob Gefühle, Erinnerungen oder das, was Freud das Unbewusste nannte, bleibt dem Bewusstsein selbst weitgehend verborgen.

VI. Was die Begriffe leisten und was nicht

Am Ende dieser vorangegangenen Überlegungen steht keine Definition. Aber es steht etwas, das vielleicht nützlicher ist: eine Landkarte der Fragen.

Wer über Bewusstsein spricht, sollte wissen, ob er von Wachheit, von Erleben, von Selbstbewusstsein oder von einer Haltung redet. Er sollte wissen, ob er fragt, wie ein Inhalt verfügbar wird, wie Erleben einheitlich wird, wie ein Zustand als eigener bemerkt wird oder warum sich überhaupt etwas anfühlt. Und er sollte wissen, dass auch die scheinbar unmittelbarste Gewissheit, ich nehme die Welt wahr, bereits das Ergebnis einer Konstruktion ist, die sich selbst nur zum Teil durchschaut.

Das führt zu einer eigentümlichen Situation. Alles, was wir über Bewusstsein sagen, sagen wir aus einem Bewusstsein heraus. Es gibt keinen Standpunkt außerhalb, von dem aus wir es betrachten könnten, wie wir einen Stein oder einen Stern betrachten. Wir sind die Blinden, und wir sind zugleich ein Teil des Elefanten.

Manche Forscher haben die Frage deshalb umgedreht. Statt zu fragen, was Bewusstsein in seiner vollen, reichen Form ausmacht, fragen sie, was übrigbleibt, wenn man ihm fast alles wegnimmt: die Gedanken, die Erinnerungen, das Körpergefühl, das Zeitempfinden und schließlich sogar das Ich. Vielleicht zeigt sich das Wesen des Bewusstseins nicht in seiner Fülle, sondern an seinem Minimum.